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Geschichte

 

 

 

 

 

 

 

 

Postkarte zum 15-jährigen Vereinsjubiläum 1988

 

Postkarte zum 15-jährigen Vereinsjubiläum 1988

 

In den 1960er und 70er Jahren war Halle insbesondere durch die nahegelegenen Chemiewerke in Buna und Leuna eine stark wachsende Stadt. Entsprechend groß war der Bedarf an Wohnraum für die Arbeiter. Infolge dessen wurde nicht nur Halle-Neustadt erbaut, sondern auch die in den 1950er Jahren begonnene Südstadt stetig erweitert. Der erste Abschnitt („Südstadt I“) war bereits fertig gestellt, sodass Anfang der 1970er Jahre mit dem Abschnitt „Südstadt II“ begonnen wurde. Zu einem Teil der Fläche, die bebaut werden sollte, gehörte die 1929 gegründete 28 Hektar große Gartenanlage „Am Eierweg“ mit 495 Parzellen. Im Jahr 1971 wurden die ersten 15 Pachtverträge gekündigt, weitere folgten. Im Selben Jahr wurde ein Aufbaustab gegründet, dessen Aufgabe es war, die Errichtung einer neuen Gartenanlage sowie den Umzug dorthin zu organisieren. Zu den Mitgliedern gehörten u.a. die Gartenfreunde Bruno Hoffmann, Hans Barthke, Bruno Sommer, Franz Hebenstreit und Erich Horn. Der Rat der Stadt wies den Mitgliedern nach einigen schwierigen Verhandlungen ein 11,5 Hektar großes Gelände in der Nähe des Rosengartens zu – unsere heutige Gartenanlage. In der Planung und Ausführung zeigte die Gartenanlage parkähnliche Züge auf.

Im Dezember 1971 erfolgte eine Probebohrung für das Loch für die erste Zaunsäule, um die Bodenbeschaffenheit zu prüfen und den zeitlichen Aufwand für die Errichtung des knapp 2 km langen Außenzaunes abzuschätzen. Auf der heutigen Parzelle Nr. 17a wurde im März 1973 unter der Verantwortung von Werner Kuklok ein provisorischer Schuppen, welcher als Materiallager für Kalk, Zement usw. diente, errichtet. Im selben Monat fand die erste Sitzung des Vorstandes, der aus folgenden Mitgliedern bestand, statt: Liesbeth Hoffmann, Hans Bathke, Wilfried Kühn, Reinhold Wilke, Franz Hebenstreit, Horst Kotulla, Irmgard Ludwig, Bruno Sommer, Bruno Hoffmann, Hildegard Hoffmann. Der Vorsitzende der Gartenanlage „Am Eierweg“, Erich Horn, war als Gast geladen. Am 3. Mai 1973 fand die Gründungsversammlung der Gartensparte „Naherholung“ – so hieß die Anlage damals – statt.

Der Vorsitzende der Anlage „Am Eierweg“, Gartenfreund Horn, vertrat die Auffassung, zu einem jungen Verein gehöre auch ein junger Vorsitzender. Der Kandidat, der für diesen Posten kandidiert hatte, wurde dann jedoch Mitglied in einer Alt-Anlage und pachtete dort einen Garten. Die Gartenfreundin Liesbeth Hoffmann stellte sich letztendlich der Herausforderung und wurde die erste Vorsitzende des neu gegründeten Gartenvereins, was sie auch viele Jahre lang blieb, mit Unterstützung ihres Lebensgefährten Robert Höhne.

Die Bautätigkeiten schritten weiter voran. Die neuen Zaunfelder wurden in der alten Gartenanlage getaucht und dann in die neue Anlage verbracht. Gartenfreund Portius und seine Helfer waren maßgeblich daran beteiligt. Bis zum Sommer 1973 wurde der Zaun, der die Anlage umschließt, fertiggestellt. Eine enorme Leistung, die auch Gartenfreund Missala, der die Vermessungsarbeiten übernommen hatte, zu verdanken ist. Ein weiteres Team, bestehend aus den Gartenfreunden Helling, Lange, Kühn und der Gartenfreundin May, war für die Vermessung der Wege und Parzellen in der Anlage zuständig.

Schon im August des Jahres konnten die ersten Gärten an die Gartenfreunde übergeben werden, die bereits 80 Aufbaustunden geleistet hatten, sodass nun auch in den ersten Parzellen die Bautätigkeiten für die Errichtung der Lauben begannen. Die Gartenfreunde Beitner und Hebenstreit gehörten zu den ersten Laubenbauern. In der Laube von Gartenfreund Hebenstreit fanden auch die ersten Vorstandssitzungen statt; ein Vereinsbüro gab es noch nicht.

Zur Maurerbrigade unter der Leitung von Vereinsfreund Beitner gehörten u.a. die Gartenfreunde Gassmann, Merbach, Noth und Budack. Zum Bau der Wegebegrenzung sowie als Unterbau für die Wege, aber auch für das eine oder andere Laubenfundament, organisierte Gartenfreund Butz viele Tonnen Pflastersteine aus Kröllwitz. Ebenfalls für den Wegeunterbau bekam der Verein von der Reichsbahn 3.000 Tonnen Schotter kostenlos zur Verfügung gestellt. Aus der Beesener Straße bekam der Verein tonnenweise Gleisaushub geschenkt. Lediglich die Lieferung musste bezahlt werden. Der Preis lag bei 2 Mark für jede Fuhre ab fünf bzw. sieben Tonnen. Gab es keinen Zement zu kaufen, half das nahegelegene Mischwerk mit Zement und Schmutzkies aus. Die Abholung mit der Dieselameise musste samstagmorgens um 6:00 Uhr erfolgen. Die Gegenleistung dafür waren Malerarbeiten, die die Gartenfreunde Schulz, Kunze, Lohmann und einige andere in den Büros des Mischwerkes durchführten.

Im Osten der Stadt stand eine Holzbaracke, die dem Verein geschenkt wurde. Unter der Leitung von Gartenfreund Bräuning wurde die Baracke, deren tragende Balkenkonstruktion von Holzdübeln anstelle von Nägeln zusammengehalten wurde, abgebaut, in die Anlage transportiert und dort wieder aufgebaut, um sie als Lager für Wasserleitungsrohre und Elektromaterial zu nutzen. Später wurde sie zum Vereinsheim umgebaut.

Um all das Material zu bewegen, welches beim Aufbau einer 11,5 Hektar großen Gartenanlage bewegt werden muss, besorgte Gartenfreund Klinke vom Waggonbau Ammendorf eine Dieselameise mit drei Anhängern. Der Waggonbau stellte dem Verein auch zahlreiche Innentüren für den Bau der Lauben zur Verfügung. Da auch die Dieselameise für den Transport nicht mehr ausreichte, organisierte Vereinsfreund Bathke einen Lastwagen. Die heutige Schlosserei war damals die Garage für das Auto.

Für 2.000 Mark wurden vom Gartenfreund Illge die Geräte für die Tischlerei, wie Kreissäge, Abrichte und Fräsmaschine, organisiert.

In der gesamten Anlage wurden 6.000 Meter Wasserleitung sowie Stromleitung mit einer Gesamtlänge von 4.000 Metern verlegt. Das Schachten war Handarbeit. Im Sommer 1973 ging es bei schweißtreibenden Temperaturen mit Schaufel und Spitzhacke ans Werk. 70 cm tief wurde geschachtet, für die Winter-Wasserleitungen sogar 120 cm. Bis zu 100 Gartenfreunde packten gleichzeitig mit an. Pro Garten mussten im ersten Jahr 100 Arbeitsstunden geleistet werden, so war es auf der Gründungsversammlung beschlossen worden. Die Arbeitseinsätze an den Wochenenden gingen von 6:00 bis 12:00 oder bis 14:00 Uhr. Die Wasserleitungen in der alten Gartenanlage wurden abgebaut, in die neue Anlage transportiert, dort in die ausgeschachteten Gräben gelegt und verschweißt, nachdem sie zur Werterhaltung mit Teerbändern umwickelt worden waren. Für diese Arbeit waren die Gartenfreunde Neugebauer, Langowski und Jung zuständig, das Verschweißen übernahmen die Gartenfreunde Fuchs, Schurig, Küch und Trautmann. Das Industriewerk Halle Nord unterstützte die Gartenfreunde mit einem Motorgrader beim Aushub der Gartenwege. Gartenfreund Hoyer war für die Wasserleitungen verantwortlich, während die Gartenfreunde Rückwaldt und Schleicher für die Elektrik zuständig waren. Die Anlagenwege, die insgesamt eine Länge von etwa 4,5 km haben, wurden mithilfe eines Kippers, den Gartenfreund Stabla organisiert hatte, verfüllt und Gartenfreund Hennig besorgte Kies, den er auch selber brachte.

Einige Gartenfreunde waren im Rahmen der Arbeitseinsätze nach Hohenmölsen und in die Ziegelei nach Bruckdorf gefahren, um dort „Sozialistische Hilfe“ zu leisten. Die Gegenleistung, die sie dafür bekamen, waren Ziegelsteine, die für den Bau der Trafostation sowie weiterer Vereinsgebäude benötigt wurden. Hilfe kam auch von den VE Verkehrsbetrieben, dem VEB Tief- und Brückenbau sowie dem VEB Mafa, die Maschinen und Transportdienste sowie Material für den Bau zur Verfügung stellten.

Auch der Laubenbau ging weiter voran, sodass nun in vermehrtem Umfang die entsprechenden Baustoffe wie Zement, Kalk, Sand, Steine etc. benötigt wurden. Den Kalk besorgte Gartenfreund Bernstein aus Buna, Gartenfreund Stabla war wieder für den Transport zuständig. Das Material, das in der Holzbaracke gelagert wurde, wurde von Gartenfreundin Hebenstreit an die Laubenbauer verkauft, die auch eifrig Helfer organisierte, wenn wieder eine Ladung neuen Baumaterials eintraf.

Ende 1974 war die Gartenanlage zum größten Teil fertiggestellt. Insgesamt wurden bis dahin ca. 26.000 Arbeitsstunden geleistet. Die Anzahl der pro Garten zu leistenden Arbeitsstunden wurde auf 60 reduziert und sank in den darauffolgenden Jahren weiter, erst auf 40, dann je nach Bedarf auf 15, 12, 10 oder 8. Auf den öffentlichen Grünflächen, die insgesamt knappt 29.000 m² umfassen, wurden 650 Bäume und 7.500 Ziersträucher gepflanzt. Bis zum Ende des Jahres hatten die Vereinsfreunde durch den Aufbau der Gartenanlage einen Wert von rund 736.000 Mark erarbeitet.

In den Parzellen standen im Jahr 1975 über 5.000 Obstbäume und –sträucher. So konnten in diesem Jahr bereits 15.825 kg Obst und 52.500 kg Gemüse geerntet werden, wovon 23.000 kg an den Handel gingen. Am Vereinsheim sowie am Spielplatz, der inzwischen ebenfalls im Bau war, wurden Toilettengebäude errichtet, während das Vereinsheim um einen Bierkeller erweitert wurde.

Bis zur Fertigstellung der Anlage im Jahr 1976 wurden insgesamt rund 56.000 Arbeitsstunden geleistet und durch den Aufbau der Gartenanlage ein Wert von rund 2 Millionen Mark geschaffen.

In der Mitte der Anlage wurde ein Kiosk gebaut, der nach Fertigstellung jedoch als Vereinsbüro genutzt wurde. Dazu kamen die Bühne mit Tanzfläche sowie eine Kegelbahn in unimittelbarer Nähe der Gaststätte. In den ersten 20 Jahren waren die Wege der Gartenanlage auch noch beleuchtet.

In den 1980er Jahren wurde die Erneuerung der Wasserzuleitung von der Dieselstraße zur Gartenanlage nötig, nachdem die Zuleitung gebrochen war. Durch das austretende Wasser war zwischen Dieselstraße und Gartenanlage ein See entstanden, der Dank der Hilfe des Gartenfreundes Tristram abgepumpt werden konnte. Die Schachtarbeiten übernahm Gartenfreund Heelemann, der über seinen Betrieb einen Bagger organisiert hatte. Es galt, einen Schaft von mehreren Hundert Metern Länge auszuheben, um die Zuleitung neu verlegen zu können. Der Verein musste lediglich den Diesel für den Bagger und ein Mittagessen für dessen Fahrer stellen. Auch das Verfüllen der Schächte, in denen Gartenfreund Hoyer mit seinen Helfern zuvor die neue Wasserleitung verlegt hatte, wurde zu zwei Dritteln mit dem Bagger bewältigt. Der Rest war Handarbeit.

Auch innerhalb der Gartenanlage gab es immer wieder Rohrbrüche. Die Leitungen hatten inzwischen mehrere Jahrzehnte lang ihren Dienst verrichtet, was trotz Teerbändern nicht spurlos an dem Material vorbeiging. Also wurde 1996 wieder 70 cm tief geschachtet und sämtliche Leitungen der Anlage durch neue Kunststoffrohre ersetzt.  Die Anschlussarbeiten in den Parzellen erledigte die Wasserbrigade, insbesondere die Gartenfreunde Hoyer, Pinzler und Rauch.

Im Jahr 1994 schied Gartenfreundin Hoffmann nach zwanzig Jahren aus Altergründen aus dem Vorstand aus. Ihr Nachfolger wurde Hubert Tristam, der das Amt jedoch kurze Zeit später aus gesundheitlichen Gründen niederlegte und Gartenfreund Wilfried Kühn an seine Stelle trat. Unter seiner Führung gab es jedoch viel Widerstand seitens der Pächter, da der neue Vorsitzende die Bestimmungen des im Zuge der Wiedervereinigung nun auch für den Osten Deutschlands geltenden Bundeskleingartengesetzes umzusetzen versuchte. Das sollte auch der Erhaltung der Gartenanlage dienen, jedoch sahen sich die Pächter in ihren Freiheiten beschnitten. Die Einführung des Bundeskleingartengesetzes in den neuen Bundesländern brachte also auch für unseren Verein viele Herausforderungen mit sich.

So machte sich 1997 die Ersetzung der alten Elektroleitungen in der Anlage durch neue Kupferleitungen mit größerem Querschnitt ersetzt. Wieder musste geschachtet werden. Die Verteilerkästen wurden erneuert und die Lauben, bis auf wenige Ausnahmen, neu angeschlossen. Die 1990er und 200er Jahre waren in erster Linie von Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten geprägt.  Das Vereinsheim war inzwischen seit mehreren Jahren ungenutzt und das Wasser, welches durch das undichte Dach eingedrungen war, hatte den Fußboden geschädigt, sodass dieser teilweise verfault war. Das Vereinsheim sollte eine neue Wirtin bekommen und so wurden Dach und Fußboden im Jahr 2000 erneuert. Leider musste der Wirtin bereits ein Jahr später fristlos gekündigt werden, da es hier zu Unstimmigkeiten mit den Gartenfreunden gekommen war. Anschließend wurde das Vereinsheim grundlegend saniert, da der Vorstand Auflagen bekommen hatte, die es umzusetzen galt, damit das Vereinsheim weiter betrieben werden kann. Im Dezember 2001 machten sich die Gartenfreunde Leopold, Stech, Gassmann, Merbach, Hinze, Breitenbach, Nathrath, Schößler, Lattner und Frühauf mit ihren Helfern daran, alle Einrichtungsgegenstände aus der Küche, dem Aufenthaltsraum sowie zum Teil aus dem Schank- und Gastraum zu entfernen, die Elektro,- Wasser- und Abwasserleitungen neu zu verlegen, Fliesen zu verlegen und zu malern. Küche und Gastraum wurden mit neuem Mobiliar und Geräten ausgestattet und die Möbel und Räumlichkeiten bekamen eine ordentliche Grundreinigung. Aus dem ehemaligen Bierkeller wurde ein Lagerraum. Außerdem wurde eine neue Kläranlage gebaut. Die Trassenbauer, die damals am Bau der neuen Europachaussee beteiligt waren, leisteten Unterstützungsarbeit. Die letzte Auflage, die es noch zu erfüllen galt, war der Bau einer neuen Toilettenanlage mit Zugang zum Gastraum.

Im Jahr 2000 übernahm Gartenfreund Tristram nach erfolgter Vorstandswahl wieder den Vorsitz des Vereins.

 

Quelle: 30 Jahre Kleingartenanlage „Kasseler Straße“ e.V. von Franz Hebenstreit

Im Laufe der nächsten Jahre soll die Vereinschronik weitergeschrieben werden. Wer uns hier mit Text- und Bildmaterial unterstützen möchte, kann sich gerne an Gartenfreund Trömel, Parzelle 153, oder direkt an den Vorstand wenden.